Leuchttürme

Als Leuchtturm wird ein Turm bezeichnet, der ein Leuchtfeuer trägt. Leuchttürme stehen an für die Navigation wichtigen oder gefährlichen Punkten, wo sie der Schifffahrt auch nachts als weithin sichtbares Seezeichen dienen.

Durch ihre Lichtsignale (Leuchtfeuer) weisen Leuchttürme Schiffen den Weg und ermöglichen so die Navigation und das Umfahren gefährlicher Stellen im Gewässer.

Der obere Leuchtturm Suurupi

Koordinaten: 59°27.813' N/24°22.818' E
Feuersektor: weiß 0° - 360°
Bau- und Rekonstruktionszeit: 1760; 1951;1998
Sichtweite des Feuers: 12 Meilen
Höhe des Leuchtturms vom Sockel: 22 m
Höhe des Feuers vom Meeresspiegel: 68 m
Charakter des Feuers: 15s (1.5+4.5+4.5+4.5)

1759 schlug Konteradmiral  Mordvinov dem Admiralitätskollegium vor, auf der Halbinsel Suurupi einen Leuchtturm zu errichten. 1760 wurde der Leuchtturm wahrscheinlich mit offenem Feuer in Betrieb gesetzt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden das Wohngebäude, die Sauna, der Ölspeicher, der Keller und das Stallgebäude fertig gestellt, der Komplex war von einem hohen Zaun umgeben, der auf einem Kalksteinunterbau stand. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Wohnhaus des Leuchtturmwächters während des Rückzugs der deutschen Truppen zerstört, den Leuchtturm konnte man vor dem Schlimmsten retten, jedoch benötigte er eine Generalüberholung. 1951 wurde der Leuchtturm mit einer Höhe von 22 m in einer von der früheren etwas abweichenden Form rekonstruiert. Im Komplex wurde auch ein neues Gebäude für Generatoren errichtet und an Stelle des zerstörten Hauses ein neues Wohnhaus gebaut. 1998 wurde am Leuchtturm ein neuer Teil mit Laternenraum angebaut und die Lichtanlagen modernisiert. 2011 wurde auf dem Dach des Laternenraums eine neue LED-Lichtanlage installiert, die Höhe des Lichtes um 2 Meter erhöht und die Lichtsektoren verschwanden, fortan war es 360⁰ sichtbar.

Der untere Leuchtturm Suurupi

Koordinaten: 59°28.300' N/24°24.993' E
Feuersektor: weiß 242,5° - 250,5°
Bau- und Rekonstruktionszeit: 1859; 1885; 1998
Sichtweite des Feuers: 11 Meilen
Höhe des Leuchtturms vom Sockel: 15 m
Höhe des Feuers vom Meeresspiegel: 18 m
Charakter des Feuers: Iso W 3s (1.5+1.5)

In der Mitte des 19. Jahrhunderts beklagten sich die Seeleute noch immer über den schlechten Zustand der Navigationsmittel in russischen Gewässern. 1859 wurde in Suurupi 2245 m vom oberen Leuchtturm entfernt ein hölzerner Leuchtturm gebaut. Zusammen mit dem oberen steinernen Leuchtturm Suurupi bilden sie einen Bereich von 246,5⁰, der bei der Ausfahrt aus der Tallinner Bucht, zwischen Naissaar und Vahemadal, Richtung Westen in den Finnischen Meerbusen behilflich ist. 1863 wurde die östliche Wand weiß, die Seiten und die Rückwand gelb und das Dach rot gestrichen. Beim Turm wurde auch das Wohnhaus des Aufsehers, ein Speicher und ein Brunnen errichtet. 1888 wurde die Bretterverschalung erneuert und alle Seiten weiß gestrichen. Im Komplex wurde zusätzlich ein Petroleumsspeicher aus Stein gebaut. 1911 wurde das neue Wohnhaus aus Stein errichtet. 1967 wurde der Leuchtturm auf Stromspeisung umgestellt und mit dem oberen Leuchtturm synchronisiert. 1998 wurde der untere Leuchtturm Suurupi restauriert. Der untere Leuchtturm Suurupi ist ein von hundert funktionierenden historischen Leuchttürmen, die der International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities (IALA) gehören. Der gesamte Komplex steht auf der Liste des vom Staat geschützten Kulturerbes.

Die Sirenenstation und die Lotsenstation Suurupi

In den Winter- und Frühjahrsnächten entsteht in Estland über dem Meereswasser oft Nebel. Bei schlechten Sichtverhältnissen oder Nebel wurden die Seefahrer vor Gefahr gewarnt und ihnen mit Nebelsignalen eine Orientierungshilfe gegeben. Dazu begann die Mannschaft des Leuchtturms, in festen Zeitabständen eine Glocke zu läuten, in späteren Zeiten wurde die Sirene eingeschaltet. Vom oberen Leuchtturm Suurupi wurden der untere Leuchtturm und die Sirenenstation Ninamaa gesteuert, die sich 1500 m vom oberen Leuchtturm entfernt auf der Landzunge Ninamaa befand, wo 1898 ein ganzer Komplex für die Sirene und die Bedienungsgebäude angelegt wurde. Bis heute sind von der Sirenenstation das Sirenenhaus, das Wohnhaus, der Brennstoffspeicher, die Sauna und der Nebelhornmast erhalten geblieben. Das stürmische Meer spült die Landzunge Ninamaa Jahr für Jahr kleiner und der historische Komplex ist von der Zerstörung bedroht.

Auf der Halbinsel Suurupi, im Gebäude des Offizierskasinos der ehemaligen Panzerbatterie der Küstenbefestigung Peter des Großen befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg eine Lotsenstation, die hauptsächlich die Schiffe bediente, die den Tallinner Hafen besuchten. Der Hafenkai der Lotsenstation stand nordöstlich des oberen Leuchtturms, die Beobachtungsstelle war beim oberen Leuchtturm. 

1918 wurde der Republik Estland als Kriegserbe ein Küstenmeer voller Minenfelder hinterlassen, in dem mit Trawlern nur schmale Schifffahrtswege gesäubert worden waren. In derartigen Gewässern konnte man nicht ohne Lotsen fahren. Zum Organisator des Lotsendienstes wurde die Verwaltung für Lotsen, Leuchttürme und Seezeichen. Nach dem Ende des Freiheitskrieges wurde die Tätigkeit der Mehrheit der staatlichen Lotsen beendet und die Arbeit wurde von Privatlotsen übernommen. 1922 wurde in Tallinn die Gesellschaft der Meereslotsen von Suurupi gegründet, die 1926 in die Gesellschaft der Estnischen Lotsen umbenannt wurde. 1934 hielten sich die Lotsen überwiegend in der Lotsenstation Suurupi auf, die sich beim Offizierskasino der ehemaligen Panzerbatterie Suurupi der Küstenbefestigung Peter des Großen befand, der Bootssteg war nordöstlich des oberen Leuchtturms, in Rannaküla. Der Lotse führte das in Tallinn abgehende Schiff bis zur Boje Suurupi, wo der Lotse das Schiff verließ. Auf dem Weg nach Tallinn nahm das Schiff einen Lotsen, der das Schiff nach Tallinn führte, an der Lotsenstation an Bord. Die Lotsenstation war bis zum Jahr 1940 in Betrieb.